Tag der Gebärdensprachen rückt Teilhabe in den Mittelpunkt
Hände, Gesichtsausdruck und Körperhaltung übernehmen, was in Lautsprachen mit Stimme und Betonung vermittelt wird: Gebärdensprachen sind eigenständige natürliche Sprachen mit eigener grammatischer Struktur. Am Mittwoch, 23. September, macht der Internationale Tag der Gebärdensprachen weltweit auf ihre Bedeutung und auf die Rechte gehörloser Menschen aufmerksam.
Der Aktionstag wurde 2017 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen und 2018 erstmals begangen. Dass er jedes Jahr auf den 23. September fällt, hat einen historischen Hintergrund: An diesem Datum wurde 1951 der Weltverband der Gehörlosen, die World Federation of the Deaf (WFD), gegründet. 2026 besteht der Verband damit seit 75 Jahren.
In diesem Jahr steht der Internationale Tag unter dem Motto „Declaring Deaf People’s Human Rights“, sinngemäß also der Bekräftigung und Verwirklichung der Menschenrechte gehörloser Menschen. Im Mittelpunkt steht dabei die Forderung, den Zugang über die jeweiligen nationalen Gebärdensprachen in allen Lebensbereichen sicherzustellen. Der Aktionstag ist Teil der Internationalen Woche der Gehörlosen, die in diesem Jahr vom 21. bis 27. September stattfindet.
Mehr als 300 Gebärdensprachen weltweit
Gebärdensprache ist dabei keineswegs überall auf der Welt gleich. Nach Angaben der Vereinten Nationen und des Weltverbandes der Gehörlosen nutzen mehr als 70 Millionen gehörlose Menschen weltweit zusammen mehr als 300 verschiedene Gebärdensprachen. Mehr als 80 Prozent der gehörlosen Menschen leben demnach in Entwicklungsländern. Daneben gibt es internationale Gebärden, die beispielsweise bei grenzüberschreitenden Treffen oder auf Reisen zur Verständigung genutzt werden.
Auch die Vorstellung, Gebärdensprachen seien lediglich eine mit den Händen dargestellte Form der jeweiligen Lautsprache, trifft nicht zu. Sie sind eigenständige Sprachen und unterscheiden sich strukturell von gesprochenen Sprachen. Entsprechend gibt es beispielsweise eine Deutsche Gebärdensprache, aber keine weltweit einheitliche Gebärdensprache, die von allen gehörlosen Menschen verwendet wird.
Der 23. September soll deshalb nicht allein Aufmerksamkeit für Gehörlosigkeit schaffen. Im Zentrum steht ebenso die sprachliche und kulturelle Identität gehörloser Menschen. Die Vereinten Nationen betonen, dass ein früher Zugang zu Gebärdensprache und zu Angeboten in Gebärdensprache für die Entwicklung gehörloser Menschen eine wichtige Rolle spielt. Dazu gehört insbesondere der Zugang zu Bildung.
2026 treffen zwei Jahrestage zusammen
Der diesjährige Aktionstag erhält durch zwei Jahrestage zusätzliche Aufmerksamkeit. Neben dem 75-jährigen Bestehen des Weltverbandes der Gehörlosen jährt sich 2026 die Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention zum 20. Mal. Die Konvention hat nach Einschätzung der Vereinten Nationen dazu beigetragen, die Anerkennung nationaler Gebärdensprachen und die Rechte von Menschen mit Behinderungen international stärker zu verankern.
Der Weltverband verbindet den diesjährigen Aktionstag deshalb mit der Botschaft, dass Menschenrechte und sprachliche Zugänglichkeit zusammengehören. Weltweit sind unter anderem Aktionen vorgesehen, bei denen öffentliche Gebäude blau beleuchtet oder die internationale Flagge der Gehörlosen gehisst wird. Außerdem ruft der Verband politische und gesellschaftliche Verantwortungsträger dazu auf, sich für die Rechte gehörloser Menschen und den Zugang zu nationalen Gebärdensprachen einzusetzen.
Der Internationale Tag der Gebärdensprachen erinnert damit am Mittwoch daran, dass Barrierefreiheit nicht erst bei baulichen Hindernissen beginnt. Auch der Zugang zu Sprache und Kommunikation entscheidet darüber, ob Menschen Informationen erhalten und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.
Foto: ChatGPT
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