Diskussionsveranstaltung in Uelzen: Soziale Gerechtigkeit und bezahlbarer Wohnraum im Fokus
Der Einladung des Bundestagsabgeordneten Dirk-Ulrich Mende (SPD) folgend, fand gestern im Stadtgarten Uelzen eine öffentliche Diskussionsveranstaltung zum Thema „Gemeinsam leben: soziale Gerechtigkeit & bezahlbarer Wohnraum“ statt. Unterstützung erhielt er per Videoschaltung von Sören Bartol, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Vor Ort waren außerdem Jan Henner Putzier, Landtagsabgeordneter für den Landkreis Uelzen, sowie Dr. Andreas Stefansky, Stadtbaurat der Hansestadt Uelzen. Isabel Kassel moderierte die Veranstaltung.







Mende betonte zu Beginn die Dringlichkeit des Themas. „Die Menschen bewegt, dass Wohnen nicht mehr bezahlbar ist“, sagte er und wies auf die zunehmende Wohnungslosigkeit hin. Bezahlbarer Wohnraum sei ein grundlegendes soziales Anliegen, das sowohl auf nationaler als auch auf regionaler Ebene Lösungen erfordere. Ein zentrales Anliegen sei es, die Baukosten zu senken und gleichzeitig den Sicherheitsstandard zu gewährleisten. Hier verwies er auf die aktuell diskutierte Novelle, die das Bauen in Deutschland vereinfachen soll.
Blick aus Berlin: Wohnungsbau vor großen Herausforderungen
Sören Bartol, zugeschaltet aus dem Bundesministerium, unterstrich die Bedeutung des Themas. Wohnen sei ein „Top-Thema“, das viele Menschen umtreibe. Er wies jedoch darauf hin, dass die Kompetenz überwiegend bei den Ländern liege, während der Bund lediglich unterstützend tätig sein könne. Bartol sprach sich dafür aus, dass das Bauministerium wieder eigenständig werde, um effektiver agieren zu können.
Er thematisierte auch die Auswirkungen des Ukraine-Krieges und des Zinsanstiegs auf die Bauwirtschaft. Die geplanten 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr seien unter den aktuellen Umständen nicht realisierbar – lediglich die Hälfte könne momentan gebaut werden. Auch die steigenden Energiekosten seien eine Belastung für viele Haushalte, weshalb die Erhöhung des Wohngeldes eine wichtige Maßnahme darstelle, insbesondere für Rentner. Zudem kritisierte er die Verzögerung der Verlängerung der Mietpreisbremse durch den Koalitionspartner.
Bartol hob das Potenzial des seriellen und modularen Bauens hervor, das kostengünstiger sein könnte. Zudem werde über die Einführung eines neuen Gebäudetyps „E“ nachgedacht, bei dem auf viele Standards verzichtet würde, um Kosten zu senken. Ein weiteres Thema sei die Ausweitung der Definition von Studentenwohnungen auf Azubi-Wohnungen. Trotz der schwierigen Haushaltslage werde der soziale Wohnungsbau gestärkt.
Regionale Perspektiven: Uelzen und Celle im Fokus
Dirk-Ulrich Mende lenkte die Diskussion auf regionale Herausforderungen. In Celle gebe es insbesondere in der Altstadt Leerstand, der durch den Denkmalschutz modernisierungsbedürftiger Gebäude erschwert werde. Er regte an, Dachgeschosswohnungen ohne Fahrstuhl zu realisieren, um Kosten zu reduzieren.
Dr. Andreas Stefansky, Stadtbaurat von Uelzen, berichtete von ähnlichen Problemen in seiner Stadt, jedoch spiele der Denkmalschutz hier eine geringere Rolle. Vielmehr seien bautechnische Gründe und der hohe Sanierungsbedarf verantwortlich für den Leerstand. Ein weiteres Problem stelle der Verlust von Stellplätzen bei der Verdichtung von Wohnraum dar.
Jan Henner Putzier, Landtagsabgeordneter für den Landkreis Uelzen, machte deutlich, dass die Situation für viele Menschen besorgniserregend sei. „Das Sicherheitsgefühl, keine Wohnung zu finden oder bezahlen zu können, belastet viele.“ Auch er forderte günstigere Baukosten und mehr geförderten Wohnraum. Niedersachsen habe bereits auf die Herausforderungen reagiert und erste Anpassungen vorgenommen. Wohnungsbaugenossenschaften, so Putzier, könnten hier eine wichtige Rolle spielen.
Die Perspektive der Wohnungsbaugenossenschaft
Jill Schenk von der Wohnungsbaugenossenschaft Uelzen eG schilderte die Schwierigkeiten, weiterhin günstigen Wohnraum anzubieten. Neben den steigenden Baukosten seien Bürokratie und Fachkräftemangel große Herausforderungen. Sie kritisierte, dass der zusätzliche Aufwand oft auf die Mieter abgewälzt werde, was zu einer Erhöhung der Mietkosten führe.
Soziale Probleme: Wohnungslosigkeit und steigende Mieten
Volker Jung, Regionalleiter der Lebensraum Diakonie e.V., lenkte die Aufmerksamkeit auf die Situation sozial schwacher Menschen. Das Problem, eine bezahlbare Wohnung zu finden, habe inzwischen weite Teile der Gesellschaft erreicht. Wohnungen für Einzelpersonen sowie mit guter Anbindung an den ÖPNV seien in Uelzen knapp. Besonders für Menschen mit geringem Einkommen seien 500 Euro Miete pro Monat kaum tragbar.
Bartol verwies auf den nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit, der die Zahl der Betroffenen bis 2030 erheblich reduzieren solle. Viele Menschen wüssten jedoch nicht, dass sie Anspruch auf Wohngeld hätten. Dr. Stefansky differenzierte zwischen Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit. Er hob hervor, dass in Uelzen ukrainische Flüchtlinge erfolgreich untergebracht werden konnten, während die Obdachlosigkeit eine größere Herausforderung darstelle.
Ein Zielkonflikt: Barrierefreie und günstige Wohnungen
Die steigenden Mieten und der Bedarf an barrierearmen Wohnungen in einer alternden Gesellschaft waren ein weiteres Thema. Jan Henner Putzier sprach von einem Zielkonflikt zwischen Vereinfachungen am Bau und den Bedürfnissen von Menschen mit Behinderung. Dr. Stefansky betonte, dass bei der Schaffung von Wohnraum Abwägungen nötig seien. „Günstiger Wohnraum ist wichtig, aber er muss auch altersgerecht sein“, so der Stadtbaurat.
Die Diskussion zeigte deutlich, dass der Bedarf an bezahlbarem und sozial gerechtem Wohnraum in der Region groß ist. Lösungen sind gefragt – auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene.
Redaktion
Uelzener Presse
Fotos: Uelzener-Presse.de
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