Arbeiten trotz Krankheit – Jobcenter im Landkreis Celle unterstützt Menschen mit Behinderungen bei der Arbeitssuche und Arbeitsaufnahme

Landkreis CELLE. Die Erfahrungen am Arbeitsmarkt zeigen es deutlich: Häufig haben es Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen schwer, einen Arbeitsplatz zu finden. Und das, obwohl es den Bewerberinnen oder Bewerbern meistens nicht an Qualifikation oder Motivation fehlt. Das Jobcenter im Landkreis Celle setzt sich für Betroffene ein und vermittelt mit geschulten Fachkräften passende Arbeitsplätze. So hat auch Sabine Richter nach vielen Jahren Arbeitslosigkeit endlich wieder eine Beschäftigung gefunden.

„Ich freue mich jeden Tag, dass ich hier arbeiten kann – es macht mich einfach glücklich!“ erzählt Sabine Richter. Die 56-jährige ist seit einem Jahr als Mitarbeiterin im Tobias-Haus in Ovelgönne beschäftigt, eine Einrichtung speziell für Menschen mit psychischen Problemen. Hier unterstützt sie in der Küche, geht einkaufen oder wird im Fahrdienst eingesetzt. Doch dass Sabine Richter überhaupt arbeiten geht, ist nicht selbstverständlich. Denn sie ist krank, leidet unter Multipler Sklerose (MS). Seit 25 Jahren lebt sie mit MS, einer Nervenkrankheit, die in der Regel in Schüben verläuft. „Die Krankheit ist unberechenbar. Es gibt Tage, da kann ich laufen und bin total agil. Es gab aber auch Tage, da konnte ich mich nur noch mit dem Rollator fortbewegen. Diese Schübe liegen ein Glück schon etwas länger zurück,“ erzählt Sabine Richter. Sie hat viele Bewerbungen geschrieben, doch ständig hagelte es Absagen. Ihren Mut hat sie dabei nicht verloren. „Aufgeben war für mich nie eine Option. Als klar war, dass es so schnell nichts mit einem Job wird, habe ich mir ehrenamtliche Aufgaben gesucht und einen Hund zugelegt“, sagt Richter.

Unterstützt wird Sabine Richter von Thomas Klemmer. Er ist Arbeitsvermittler des Jobcenters im Landkreis Celle und kennt Sabine Richter schon seit vielen Jahren. „Unser Ziel ist es, dass Menschen mit Behinderungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ihr eigenes Geld verdienen können und sie die gleichen Chancen haben wie Gesunde. Menschen wie Frau Richter müssen einfach auch gesehen werden – in ihr steckt viel Potenzial und ganz viel Motivation!“, erklärt Klemmer. Das Jobcenter im Landkreis Celle bietet Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen unter bestimmten Bedingungen zusätzliche finanzielle Hilfen, auch für potenzielle Arbeitgeber. So können Eingliederungszuschüsse gezahlt werden, wenn beispielsweise die Einarbeitung länger dauert oder der Bewerber noch nicht über ausreichende Kenntnisse für die Stelle verfügt. Außerdem können Probebeschäftigungen bis zu drei Monate gewährt oder Zuschüsse für Aus- und Weiterbildungen beantragt werden.
Jannik Kern, verantwortlicher Teamleiter im Jobcenter des Landkreises Celle, setzt sich für die Gleichstellung ein. „Wir haben ein gutes Netzwerk zu den Betrieben hier im Landkreis Celle. Gleichzeitig kennen wir die Stärken und Schwächen unserer Kundinnen und Kunden – das zusammen hilft uns enorm bei der Vermittlung der Arbeitsplätze und wir können vorab einschätzen, ob es passen könnte oder nicht“, erklärt Kern.

Und gepasst hat es im Fall von Sabine Richter auf Anhieb. Trotz ihrer Erkrankung arbeitet sie in Vollzeit im Tobiashaus Ovelgönne. Ute Winkelmann, Heimleiterin im Tobias-Haus, hat Verständnis für die Situation: „Frau Richter ist für uns ein Gewinn. Sie ist ein lebenserfahrener, positiver, kritikfähiger Mensch und fügt sich gut ins Team ein. Die Umstrukturierungen in der Arbeitsorganisation haben sich für uns gelohnt“, erklärt Winkelmann. Dass die Arbeit mit Bewerbern wie Sabine Richter auch herausfordernd sein kann, weiß Thomas Klemmer: „Als verantwortlicher Arbeitgeber muss man an einigen Stellen hin und wieder auch etwas Geduld haben. Man muss sich zum Beispiel darauf einstellen, dass der Mitarbeitende krankheitsbedingt ausfällt. Aber am Ende lohnt es sich, denn oft sind es besonders diese Kundinnen und Kunden, die sehr motiviert der Arbeit nachgehen.“

Sabine Richter hatte gleich doppelt Glück. Sie ist über die Förderung durch das Teilhabechancengesetz „Teilhabe am Arbeitsmarkt“ in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis eingestellt. Dabei werden die Lohnkosten in den ersten zwei Jahren komplett übernommen. Im dritten Jahr reduziert sich der Zuschuss auf 90 Prozent der Lohnkosten, im vierten auf 80 und zum Schluss auf 70 Prozent. Zusätzlich werden Arbeitgeber und die Arbeitnehmerin während der Beschäftigung weiter beraten und unterstützt durch das Jobcenter. Die perfekte Weichenstellung für eine gelungene nachhaltige Integration. „Dabei handelt es sich um eine Förderung für Langzeitarbeitslose, die für die Dauer von bis zu fünf Jahren möglich ist. Wünschenswert ist natürlich am Ende immer eine Übernahme in ein Dauerarbeitsverhältnis“, erklärt Jannik Kern, Teamleiter im Jobcenter des Landkreises Celle. Sabine Richter hat jedenfalls gute Chancen. „Wir können uns das hier ohne sie nicht mehr vorstellen, sie gehört mittlerweile zum festen Inventar“, sagt Ute Winkelmann.

Sabine Richter
Fotos: Jobcenter im Landkreis Celle und Tobias-Haus