Donnerstag, 15. Januar 2026

ZSL Lüneburger Heide e. V. zum Welttag der Menschen mit Behinderung: „Inklusion ermöglichen – Barrierefreiheit schaffen“

Anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderung fordert das Zentrum Selbstbestimmt Leben Lüneburger Heide e. V. (ZSL) deutliche Fortschritte bei der Barrierefreiheit sowie eine umfassende Beteiligung von Menschen mit Behinderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen. Das diesjährige Motto „Inklusion ermöglichen – Barrierefreiheit schaffen“ macht die Dringlichkeit deutlich, Barrieren in Stadt und Land konsequent abzubauen.

„Inklusion bleibt ein leerer Begriff, solange Barrieren bestehen – bauliche, digitale, kommunikative und gesellschaftliche“, erklärt Jana Petersen-Franke, Vertreterin des ZSL Lüneburger Heide e. V. „Menschen mit Behinderungen sind Teil unserer Gesellschaft. Deshalb müssen sie nicht nur bei behindertenpolitischen Fragen berücksichtigt werden, sondern in allen Lebensbereichen: in Kultur, Freizeit, Sport, Bildung, Arbeit und im öffentlichen Leben.“

Besondere Herausforderungen im ländlichen Raum

Das ZSL weist ausdrücklich darauf hin, dass Menschen mit Behinderungen im ländlichen Raum zusätzlich zu bestehenden Barrieren mit erschwerten Rahmenbedingungen konfrontiert sind.

  • weite Wege,
  • fehlender oder stark eingeschränkter öffentlicher Nahverkehr,
  • weniger medizinische Versorgung,
  • weniger barrierefreie Kultur- und Freizeitangebote,
  • geringere Auswahl an Assistenz- und Unterstützungsleistungen,
  • strukturbedingt längere Wartezeiten auf Hilfen.

„Gerade im ländlichen Bereich wird deutlich, dass Barrierefreiheit weit mehr ist als ein bauliches Thema“, so Petersen-Franke. „Wenn Busse nicht fahren, Kulturangebote fehlen oder der nächste Arzt 20 Kilometer entfernt ist, entstehen unsichtbare, aber massive Barrieren. Hier müssen Politik und Kommunen dringend nachsteuern.“

Barrierefreiheit ist Grundbedingung – nicht Zusatzoption

Barrieren reichen weit über unzugängliche Gebäude hinaus. Sie betreffen auch Kommunikation, Mobilität, digitale Zugänge, fehlende Sensibilisierung und soziale Strukturen.

„Barrierefreiheit ist kein ‚Nice-to-have‘, sondern ein Menschenrecht. Sie gehört in jede Planung – im öffentlichen Raum, in der Verwaltung, im digitalen Bereich, in Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie in Freizeitangeboten“, betont der Vorstand des ZSL.
Weiter heißt es: „Besonders im ländlichen Raum brauchen wir echte Verbesserungen bei Mobilität, Versorgung und Infrastruktur, damit Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt leben können.“

Mikroprojekt „Antidiskriminierungs-Umfrage“ – Laufzeit November 2025 bis Februar 2026

Ein besonderer Schwerpunkt der aktuellen Arbeit des ZSL ist das Mikroprojekt der Antidiskriminierungsstelle, das von November 2025 bis Februar 2026 läuft.

Ziel des Projekts ist es,

  • Diskriminierungserfahrungen von Menschen mit Behinderungen sichtbar zu machen,
  • Betroffenen eine Stimme zu geben,
  • strukturelle Probleme zu identifizieren
  • und auf dieser Basis neue Aufklärungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen zu entwickeln.

Die bisherigen Rückmeldungen zeigen deutlich, dass Diskriminierung im Alltag häufig vorkommt – etwa im Kontakt mit Behörden, im Gesundheitswesen, im Arbeitsleben oder im öffentlichen Raum. Viele Barrieren entstehen durch Unwissenheit oder mangelnde Kenntnis über Bedürfnisse und Rechte von Menschen mit Behinderungen.

Das ZSL plant, dieses Projekt nachhaltig fortzuführen und weiter auszubauen, um langfristig mehr Bewusstsein und Aufklärung in der Region zu schaffen.

„Nichts über uns ohne uns“ – Beteiligung überall sicherstellen

Als Selbstvertretungsorganisation fordert das ZSL, Menschen mit Behinderungen verbindlich und umfassend einzubinden.

„Es reicht nicht, Betroffene nur in speziellen Ausschüssen anzuhören“, erklärt Petersen-Franke. „Ihre Perspektiven müssen überall stattfinden – in Kulturhäusern, Sportvereinen, Verkehrsplanungen, Schulen, Kommunalpolitik und im gesellschaftlichen Alltag. Nur so entsteht echte Teilhabe.“

Forderungen an Politik, Verwaltung und Gesellschaft

Zum Welttag formuliert das ZSL vier zentrale Forderungen:

  1. Verbindliche und frühzeitige Beteiligung von Menschen mit Behinderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen.
  2. Umfassende Barrierefreiheit – baulich, digital, kommunikativ und sozial.
  3. Verbesserte Mobilität und Infrastruktur im ländlichen Raum, insbesondere im Nahverkehr und bei Unterstützungsangeboten.
  4. Verlässliche Finanzierung von Assistenz-, Teilhabe- und Unterstützungsleistungen.

Für eine Gesellschaft ohne Ausschluss – in Stadt und Land

Das ZSL Lüneburger Heide kündigt an, seine Arbeit für Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe weiter zu verstärken.
„Barrierefreiheit schafft Freiheit – und Freiheit schafft Inklusion“, so Petersen-Franke.
Der Vorstand ergänzt: „Eine inklusive Gesellschaft entsteht nicht durch Worte, sondern durch konsequentes Handeln – in Städten wie im ländlichen Raum. Alle Menschen müssen die Möglichkeit haben, überall selbstbestimmt teilzuhaben.“

Foto: Elf-Moondance / Pixabay